Ein langgehegter Wunsch ist in Erfüllung gegangen! Eurovapor übernahm einen passenden Speisewagen für die bereits stattliche Leichtstahlwagenflotte von Eurovapor. Hiermit können wir künftig unsere hungrigen Fahrgäste in passendem Ambiente verköstigen. Dieser Speisewagen hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich; die letzten Jahrzehnte verbrachte er in Holland und kam per Strassentransport in die Schweiz zurück. Der junge Verein "Seetal-Wagen" verkaufte diesen nun der Eurovapor. Allerdings: Bis wir "Speisen beim Reisen" anbieten können, braucht es vorerst viel Geduld. Der Wagens befindet sich in einem schlechten technischen Zustand.

Der Speisewagen 50 85 88-33 108-4 mit der ursprünglichen Nummer Dr4ü 10119 stammt aus der letzten Bauserie von zwölf Wagen aus den Jahren 1950-1951 und 1953. Als spezielles Merkmal erhielten die Speisesäle Fluoreszenzbeleuchtung. Der von der Eurovapor erworbene Wagen ist der einzige noch verbleibende der damals sechs existierenden Wagen (10115-10120), die im Zuge der Hauptrevision R5 um um 1963 auch nach dem Einbau der Übersetzfenster ihre Fensterdimension im Küchen/Officebereich beibehielten (Küchenfenster und vis-à-vis gelegenes Seitenfenster haben die gleiche Unterkantenhöhe wie die übrigen Fenster).

In Holland unterwegs

1983 und 1984 wurden von der SBB nur noch die gut erhaltenen Wagen weiterverwendet und erneuert; mit Wulstbalgübergängen und einem neuen, rot-steingrauen Farbkleid. Die übrigen Wagen wurden entweder abgebrochen, zu Dienstwagen hergerichtet oder verkauft. Dank dem Verkauf des Wagens 50 85 88-33 108-4 an die in Holland verkehrende Museumsbahn Hoorn-Medemblik im November 1984 entging dieser Wagen dem Modernisierungsprogramm und ist bis heute weitgehend im letzten Betriebszustand von 1984 erhalten geblieben.

Augenfällig sind die Faltenbälge und die Inneneinrichtung. Die charakteristischen Kunstledersitze in Rot und Grün sowie die praktischen Klapptische reflektieren die damalige Zeit, als der Verpflegung im Zug ein gänzlich anderer Stellenwert eingeräumt wurde. Auch die Küche ist fast ganz im Originalzustand erhalten, wird jedoch den heutigen Anforderungen bzw. den heutigen Hygieneansprüchen längst nicht mehr gerecht. In Holland erhielt der Speisewagen die interne Bezeichnung WR65 und durchlief im April 1990 eine letzte Revision. Da er in Holland auf einer nicht elektrifizierten Strecke verkehrte, war der Stromabnehmer nutzlos und wurde entfernt.

Zurück in die Schweiz

Dank dem neu gegründeten Verein «Seetal-Wagen» gelangte der Speisewagen im Jahr 2012 zusammen mit Wagen vom Typ «Seetal» – aufwendig per Tieflader auf der Strasse – von Holland in die Schweiz zurück. Der Ablad erfolgte in Rielasingen bei der Museumsbahn Etzwilen-Singen. Seither steht der Wagen im grenznahen Ramsen SH.

Im Jahr 2013 bot der Verein «Seetal-Wagen» den Speisewagen der Eurovapor zum Kauf an. Der Entscheid fiel dem Vorstand der Eurovapor nicht leicht. Eine technische Zustandsanalyse zeigte, dass eine Aufarbeitung zwar machbar, jedoch mit grossem Aufwand verbunden sein würde, und zwar auch in finanzieller Hinsicht. In Anbetracht des historischen Wertes und der wohl letzten Gelegenheit, einen passenden Speisewagen zur Ergänzung unserer Leichtstahlwagenflotte zu erstehen, entschied sich die Eurovapor schliesslich zum Kauf. Am 21. August 2014 fand im Rahmen einer kleinen Feier in Ramsen die Schlüsselübergabe statt.

Aufarbeitung

Um den Speisewagen in seiner Funktion wieder lauffähig in Betrieb nehmen zu können, sind umfassende und kostspielige Arbeiten unumgänglich.

Die Drehgestelle sind stark angerostet, und alle Dämpfer sind defekt, weshalb als Erstes Ersatzdrehgestelle beschafft und montiert werden müssen. Um mit der Sanierung des Wagenkastens beginnen zu können, ist zunächst eine Asbestentsorgung nötig. Danach können die Rostschäden an den Fensterausschnitten repariert werden. Um das Chassis ist es folgendermassen bestellt: Ein Pufferbalken weist starke Rostspuren auf, und alle Eckbleche sind durchgerostet. Auch an den Seitenwänden sind Rostschäden vorhanden – diverse Bleche müssen ersetzt werden. Stromabnehmer, Trafo und auch die Halterungen fehlen. Aus Kostengründen wird ein Stromabnehmer als Attrappe angestrebt. Die Heizanlage von 1000 V samt Heizkörper und Verkabelung muss komplett ersetzt werden. Die Batterien sind noch in Ordnung, hingegen ist eine Neuverkabelung der Batteriestromkreise nötig. Die Faltenbälge sollten durch einen Schweizer Typ ersetzt werden. Auch die Inneneinrichtung gibt viel zu tun: Die Wandverkleidungen müssen komplett ersetzt werden, und die Sitzpolster bedürfen einer Auffrischung. Der Kühlschrank ist unvollständig und entspricht nicht mehr den heutigen Hygienevorschriften. Es ist sinnvoll, sich zu überlegen, ob eine neue Kücheneinrichtung nach heutigen Standards eingebaut werden soll. Schliesslich soll eine Neulackierung den Speisewagen in seinem ursprünglichen Erscheinungsbild erstrahlen lassen.

Obwohl die Vereinsmitglieder den grössten Teil der Arbeiten in Fronarbeit ausführen werden, wird die Aufarbeitung eine kostspielige Sache werden. Nach groben Schätzungen werden die Material- und externen Facharbeiterkosten derzeit auf ca. Fr. 160'000.- geschätzt. Das Umbauprojekt soll hauptsächlich über Spenden und Sponsoring finanziert werden. 

Konnten wir auch Sie von unserem Projekt begeistern?
Gerne nehmen wir ihre Spende entgegen auf Postkonto 88-698176-8, EUROVAPOR, Leichtstahl-Speisewagen, 9320 Arbon. Herzlichen Dank!

 

Typenskizze aus dem Speisewagenreglement R 362.5 im Ablieferungszustand, noch ohne Übersetzfenster.

 

Ein paar technische Daten
Bezeichnung DR4ü 10119 / ab 1963 WR 10119 / ab 1967/70 WR 50 85 88-33 108-4
Fahrzeugnummer NVR bisher keine
Früherer Eigentümer SBB, Museumsbahn Hoorn-Medemblik, Verein Seetal-Wagen STW
Erbauer SWS
Baujahr 1951
Länge über Puffer 22.7 m
Dienstgewicht 33 t
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h (ehemals 140km/h)
Sitzplätze 52
Im Bestand Eurovapor seit 2014 (in Aufarbeitung)